Sprachdidaktisches Kolloquium

 

Wintersemester 2017/18

 

Das Sprachdidaktische Kolloquium wird gemeinsam vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln und dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ausgerichtet.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 18.00 Uhr (wir beginnen pünktlich) bis 19.30 Uhr im Raum 18 des Hauptgebäudes oder im Raum S 180 des Modulbaus der Humanwissenschaftliche Fakultät (ehem. Erziehungswissenschaftliche Fakultät) der Universität zu Köln (Gronewaldstraße 2, 50931 Köln) statt.

Zu den Veranstaltungen laden wir ausdrücklich auch unsere Studierenden ein.

Gäste sind herzlich willkommen.

Das Sprachdidaktische Kolloquium verfügt über einen E-Mail-Verteiler, über welchen regelmäßig Einladungen zu den entsprechenden Terminen, sowie die Abstracts oder gegebenenfalls kurzfristige Änderungen bekannt gegeben werden. Um sich in diesen Verteiler einzufügen, um ebenfalls per E-Mail informiert zu werden, tragen Sie sich bitte einfach unter folgendem Link in den Verteiler ein:

 

 

https://lists.uni-koeln.de/mailman/listinfo/sprachdidaktisches-kolloquium

 

 

Datum / Raum

Name

Thema

24. Oktober 2017

Raum 18

 

Prof. Dr. Angelika Redder

(Universität Hamburg)

 

Sprachen-Förderung im Mathematikunterricht - wie, wozu, wann? - Eine fallanalytische Diskussion

21. November 2017

Raum 18

Prof. Dr. Holger Thünemann & Dr. Manuel Köster

(Universität zu Köln)

Sprache und historisches Denken im System Geschichtsunterricht

05.Dezember 2017

Raum 18

Dr. Dirk Scholten-Akoun & Guido Martin

(Universität Duisburg-Essen)

Schriftsprachliche Kompetenzen von Lehramtsstudierenden in der Studieneingangsphase

19. Dezember 2017

Raum S180

Prof. Dr. Joachim Grabowski

(Universität Hannover)

Kohärenzmanagement und Schreibkompetenz

16. Januar 2018

Raum 18

Dr. Anke Schmitz, Fabiana Karstens, Prof. Dr. Jörg Jost (Universität zu Köln) & Prof. Dr. Elmar Souvignier (Universität Münster) Förderung selbstregulierten Lesens in BISS-Verbünden. Förderkonzepte und ihre Umsetzung im (Fach-)Unterricht aus Perspektive der formativen Evaluation im Projekt EILe

23. Januar 2018

Raum S180

Dr. Stefan Ekert, Dr. Nikola Ornig (Interval GmbH Berlin) & Prof. Dr. Christine Garbe (Uni Köln) Wissenschaftliche Begleitung des BMBF-Programms "Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen" (2011-2017). Design und Ergebnisse eines interdisziplinären Evaluationsprojektes

 

24. Oktober 2017: Prof. Dr. Angelika Redder (Universität Hamburg)

"Sprachen-Förderung im Mathematikunterricht - wie, wozu, wann? - Eine fallanalytische Diskussion"

Soeben schließen wir das BMBF-Verbundprojekt MuM-Multi I ab und starten mit MuM-Multi II. "MuM-Multi" bedeutet: "Sprachförderung im Mathematikunterricht unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit; "wir" bedeutet: Susanne Prediger und ihr mathematikdidaktisches Team an der TU Dortmund und das sprachwissenschaftliche Team an der Universität Hamburg, das ich in Kooperation mit dem Kollegen Jochen Rehbein leite. In der ersten Phase haben wir Interventionsstudien mit mathematikschwachen, türkisch-deutschen SchülerInnen des 7. Jahrgangs durchgeführt, die in der dritten Generation zwar nie auf Türkisch beschult wurden, nun aber zwecks Verbesserung der Verstehensprozesse zum Thema "Brüche" in 5 Sitzungen (+ freier 6. Sitzung) zur diskursiven Wissensprozessierung in der Familiensprache Türkisch angeregt wurden. Anhand von detaillierten, funktional-pragmatisch angelegten Fallanalysen und einigen durchgängigen Diskursanalysen wurden im TP Hamburg Fragen nach dem Wie (v.a. schüler- und lehrerseitige Stile und Strategien), dem Wozu (v.a. kooperative Suche und Verallgemeinerung von Lösungsversuchen) und Wann (v.a. Konsolidierung von Fachwissen) verfolgt. Im Vortrag sollen, dem Kolloquiumsziel gemäß, Vorgehensweise und Ergebnisse für eine komparative Sprachdidaktik anhand von Beispielen diskutiert werden. Ein kurzer Blick auf die zweite Projektphase schließt sich an, in der wir die Probleme der (a) Integrierbarkeit mehrsprachiger Wissensprozessierung in den normalen Mathe-Unterricht und (b) Übertragbarkeit auf Neu-Zugewanderte angehen werden.

 

21. November 2017: Prof. Dr. Holger Thünemann & Dr. Manuel Köster (Universität zu Köln)

"Sprache und historisches Denken im System Geschichtsunterricht"

Inspiriert von Anstößen aus der Historik, den Bildungswissenschaften, der Linguistik und der Literaturwissenschaft wird die Bedeutung von Sprache für historisches Denken und Lernen in der Geschichtsdidaktik seit einigen Jahren verstärkt diskutiert. Je nach Zugriff wird dabei der Zusammenhang von Sprache und Geschichte, Sprache und historischem Denken oder Sprache und Unterricht akzentuiert. Bislang fehlt es jedoch an einer Theorie des Geschichtsunterrichts, die diese Aspekte verzahnen und systematisch aufeinander beziehen könnte. Im Vortrag soll eine derartige Theorie vorgestellt und die Rolle, die Sprache und historisches Denken in dieser einnehmen, herausgearbeitet werden: Diese systemtheoretisch inspirierte, „kontingenzgewärtige“ Geschichtsunterrichtstheorie versteht Unterricht als ein soziales System, das durch Kommunikation erzeugt und aufrechterhalten wird und dessen Ziel darin besteht, dass Schülerinnen und Schüler lernen sollen, reflektiert historisch zu denken.
Fasst man Geschichtsunterricht in der beschriebenen Weise auf, spielt Sprache eine in mehrfacher Hinsicht zentrale Rolle. Einerseits ist Sprache dasjenige Mittel, mithilfe dessen das soziale System Unterricht mit den individuellen Vorstellungen und Wissensbeständen der Beteiligten interagiert. Individuelle Denk- und Lernprozesse müssen verbalisiert werden, um im Unterricht verhandelt werden zu können. Diesen Sprachen des Unterrichtsdiskurses (Schülersprache, Lehrersprache) können die Sprachen der Unterrichtsgegenstände (die Sprachen der Quellen und der darstellenden Texte) gegenübergestellt werden, wobei sich beide Dimensionen der Sprachlichkeit des Geschichtsunterrichts auf jeweils unterschiedliche Weise unterschiedlicher sprachlicher Register (Fachsprache, Bildungssprache, Alltagssprache, pädagogische Sprache, etc.) bedienen. Diese „Multilingualität“ des Geschichtsunterrichts birgt Potenzial für kontingente, also ungeplante und womöglich gar als Störung empfundene Unterrichtsereignisse, da alle am Unterrichtsgeschehen Beteiligten hier regelmäßige „Übersetzungsleistungen“ vornehmen müssen.
In einem zweiten Teil des Referates soll anhand empirischen Materials das Kontingenzpotenzial herausgearbeitet werden, das sich aus der Tatsache ergibt, dass im Geschichtsunterricht sowohl die Lerngegenstände wie auch der Unterrichtsprozess vornehmlich sprachlich strukturiert sind.

Literatur:

Manuel Köster/Holger Thünemann/Meik Zülsdorf-Kersting: Geschichtsunterricht als soziales System zwischen Angebot und Nutzung. Erscheint in: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 16 (2017), S. 210-226

05. Dezember 2017: Dr. Dirk Scholten-Akoun & Dipl. Soz. Guido Martin (Universität Duisburg-Essen)

"Schriftsprachliche Kompetenzen von Lehramtsstudierenden in der Studieneingangsphase"

An der Universität Duisburg-Essen (UDE) wurde im Zentrum für Lehrerbildung (ZLB) Rahmen des Projekts "Bildungsgerechtigkeit im Fokus" (seit 2011 und noch bis 2021 vom BMBF finanziert) von einem Projektteam um Albert Bremerich-Vos untersucht, ob und – wenn ja – mit welchen schriftsprachlichen Defiziten Studierende eines Lehramts ihr Studium an der UDE beginnen. Eine etwa 30 % der StudienanfängerInnen umfassende Teilgruppe startet, so zeigt es die erstmals in Deutschland auf einer breiten empirischen Basis angestellte Untersuchung (untersucht wurde eine (beinahe) vollständige Kohorte der Erstsemester eines Jahrgangs aller Lehramtsstudierenden), mit teilweise eklatanten Problemen.
Die UDE hat darauf reagiert und seit dem Wintersemester 2015/16 ein Online-Selfassessment der sprachlichen Fertigkeiten (SkaLa = Sprachkompetenzassessment angehender Lehramtsstudierender) vor der Einschreibung in ein Lehramtsstudium verpflichtend gemacht. Das Assessment besteht aus einem modifizierten C-Test mit linksseitigem Tilgungsmuster und aus einer Lese-/Schreibaufgabe. In dieser Aufgabe werden die Studierenden gebeten, einen Zeitungsartikel (ca. 1.000 Wörter) zusammenzufassen und kurz zu erörtern (mindestens 350 Wörter insgesamt). Die studentischen Textproduktionen werden im Anschluss in Kooperation zwischen dem Projektteam und dem IEA-Hamburg ausgewertet. Die AuswerterInnen des IEA werden in mehrtägigen Schulungen mit der Handhabung des Kodierhandbuchs vertraut gemacht und entscheiden danach, ob und inwiefern bei in der Regel mehr als 40 Aspekten die im Kodierhandbuch niedergelegten Anforderungen erfüllt wurden.
Das Ergebnis der Auswertung wird den Studierenden als differenziertes Feedback zu ihrer rezeptiven und produktiven sprachlichen Leistung zur Verfügung gestellt verbunden mit den Hinweisen, wie sich durch Auswahl entsprechender Förderangebote etwa der Schreibwerkstatt an der UDE die festgestellten Defizite bearbeiten lassen.
Der Vortrag stellt die Auswertungsverfahren und die Ergebnisse der Studien vor.

 

19. Dezember 2017: Prof. Dr. Joachim Grabowski (Universität Hannover)

"Kohärenzmanagement und Schreibkompetenz"

Empirische Befunde aus schreibdidaktischen Forschungsprojekten der letzten Jahre legen nahe, dass die Fähigkeit zum Umgang mit Kohärenz eine wichtige Teilkomponente dessen ist, was insgesamt als Schreibkompetenz bezeichnet und in der Regel anhand der Qualität geschriebener Texte diagnostiziert wird. Diese Befunde werde zunächst dargestellt; es wird gezeigt, in welchem Ausmaß die Leistungen bei kohärenzbezogenen Aufgaben die Textqualität von Schülerinnen und Schülern vorhersagen, um welche Art von Aufgaben es sich dabei handelt und wie sich die zugehörigen Leistungen zu anderen, grundlegenden kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten verhalten. Dann wird anhand einer materialgestützten Intervention gezeigt, wie die Fähigkeit zum Kohärenzmanagement unterrichtlich gefördert werden kann. Neben diesen schreibdidaktisch-praktischen Evidenzen stellt sich aber auch die Frage, welchen theoretischen Status die Fähigkeiten zum Umgang mit Kohärenz besitzen, also ob es sich um ein einheitliches (und messbares) Konstrukt handelt, ob die Kohärenzgenerierung beim Leseverstehen denselben Voraussetzungen gehorcht wie beim Schreiben und wie spezifisch somit Teilkomponenten der Schreibkompetenz gefasst werden können.

Literatur:

Schmitt, M. & Knopp, M. (2017). Prädiktoren der Schreibkompetenz. In M. Becker-Mrotzek, J. Grabowski & T. Steinhoff (Hrsg.), Forschungshandbuch empirische Schreibdidaktik (S. 239–252). Münster: Waxmann.

Becker-Mrotzek, M., Brinkhaus, M., Grabowski, J., Hennecke, V., Jost, J., Knopp, M., Schmitt, M., Weinzierl, C. & Wilmsmeier, S. (2015). Kohärenzherstellung und Perspektivenübernahme als Teilkomponenten der Schreibkompetenz: von der diagnostischen Absicherung zur didakti¬schen Implementierung. In A. Redder, J. Naumann & R. Tracy (Hrsg.), Forschungsinitiative Sprachdiagnostik und Sprachförderung – Ergebnisse (S. 177–205). Münster: Waxmann.

 

16. Januar 2018: Dr. Anke Schmitz, Fabiana Karstens, Prof. Dr. Jörg Jost (Universität zu Köln) & Prof. Dr. Elmar Souvignier (Universität Münster)

"Förderung selbstregulierten Lesens in BISS-Verbünden. Förderkonzepte und ihre Umsetzung im (Fach-)Unterricht aus Perspektive der formativen Evaluation im Projekt EILe"

In dem interdisziplinären Projekt EILe „Evaluation der Implementation von Konzepten zur Leseförderung in der Sekundarstufe I“ wird der Einsatz von Maßnahmen zur Leseförderung, insbesondere des selbstregulierten Lesens, in BiSS-Verbünden in Oberfranken und Schleswig-Holstein formativ evaluiert. Im Mittelpunkt der Evaluation steht die Identifikation von Gelingensbedingungen für eine erfolgreiche Implementation von Leseförderkonzepten im Deutsch- und Fachunterricht. Hierbei werden die in den Schulen vorliegenden Förderinstrumente, die unterrichtlichen Lerngelegenheiten zum selbstregulierten Lesen im (Fach-)Unterricht, die Kompetenzentwicklung der Lernenden sowie die durch Rückmeldungen stattfindende prozessbegleitende Professionalisierung von Lehrkräften in den jeweiligen Verbünden einbezogen.

Neben dem Evaluationsdesign werden im Vortrag erste Ergebnisse zu den in den Verbünden eingesetzten Förderinstrumenten sowie zu den unterrichtlichen Lerngelegenheiten (u.a. die Verwendung der Fördermaterialien im Unterricht) thematisiert. Der Vortrag richtet sich ausdrücklich auch an Studierende, Referendarinnen und Referendare sowie an Lehrerinnen und Lehrer, die am Thema Leseförderung interessiert bzw. in diesem Bereich tätig sind.

23. Januar 2018: Dr. Stefan Ekert, Dr. Nikola Ornig (Interval GmbH Berlin) & Prof. Dr. Christine Garbe (Universität zu Köln)

"Wissenschaftliche Begleitung des BMBF-Programms 'Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen' (2011-2017). Design und Ergebnisse eines interdisziplinären Evaluationsprojekts"

Seit 2011 läuft das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierte und von der Stiftung Lesen Mainz durchgeführte, bis dato bundesweit größte (und mit ca. 20 Mio Euro Budget teuerste) Leseförderprogramm in der Bundesrepublik: „Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen“. Es gehört in die Kategorie der „Family Literacy“-Programme und adressiert vor allem die Eltern von ein-, drei- und sechsjährigen Kindern in der Absicht, die frühe Sprachförderung und Lesesozialisation insbesondere von Kindern aus bildungsfernen Familien günstig zu beeinflussen.
In den Jahren 2011 bis 2017 hat das sozialwissenschaftlich ausgerichtete Berliner Evaluationsinstitut InterVal Gmbh vom BMBF den Auftrag erhalten, die ersten beiden Phasen dieses Programms umfassend zu evaluieren. Als externe ExpertInnen waren in dieses Projekt eingebunden Dr. Klaus Barkmann (Dipl. Psych) vom Universitätsklinikum Eppendorf/Hamburg (als Experte für quantitative Methodik) und Prof. Garbe vom IDSL II Köln (als Expertin in Sachen Leseförderung / Lesesozialisation). Das Team hat über 6 Jahre eine enorme Fülle an (vor allem quantitativen) Daten zur Durchführung und Wirkung des Programms gesammelt und in jährlichen Berichten an das BMBF berichtet; ferner wurden während der Implementierung auf der Basis der ausgewerteten Daten Empfehlungen zur Verbesserung der Programmkonzeption und Implementierung gegeben und umgesetzt.
Im Vortrag im Kolloquium soll zunächst das Programm „Lesestart“ selbst vorgestellt werden; im Zentrum stehen aber das Evaluationsdesign und die interessantesten Ergebnisse über die Wirksamkeit und Optimierungsmöglichkeiten dieses größten Family Literacy Projektes im deutschen Sprachraum. Sämtliche Daten der sechsjährigen Forschung wurden bislang nicht veröffentlicht.