Sprachdidaktisches Kolloquium

 

Sommersemester 2017

 

Das Sprachdidaktische Kolloquium wird gemeinsam vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln und dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ausgerichtet.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 18.00 Uhr (wir beginnen pünktlich) bis 19.30 Uhr im Raum 18 des Hauptgebäudes Humanwissenschaftliche Fakultät (ehem. Erziehungswissenschaftliche Fakultät) der Universität zu Köln (Gronewaldstraße 2, 50931 Köln) statt.

Zu den Veranstaltungen laden wir ausdrücklich auch unsere Studierenden ein.

Gäste sind herzlich willkommen.

Das Sprachdidaktische Kolloquium verfügt über einen E-Mail-Verteiler, über welchen regelmäßig Einladungen zu den entsprechenden Terminen, sowie die Abstracts oder gegebenenfalls kurzfristige Änderungen bekannt gegeben werden. Um sich in diesen Verteiler einzufügen, um ebenfalls per E-Mail informiert zu werden, tragen Sie sich bitte einfach unter folgendem Link in den Verteiler ein:

 

 

https://lists.uni-koeln.de/mailman/listinfo/sprachdidaktisches-kolloquium

 

 

Datum / Raum

Name

Thema

16. Mai 2017

Raum 18

 

Prof. Dr. Petra Hanke & Prof. Dr. Thorsten Pohl

(Universität zu Köln)

 

Erfassung des professionellen Wissens zum Schrifterwerb

30. Mai 2017

Modulbau S180

Prof. Dr. Elmar Souvignier

(Universität Münster)

Implementation diagnosebasierter, differenzierter Leseförderung in der Grundschule

20. Juni 2017

Raum 18

Dr. Sabine Stephany (Universität zu Köln), Jun. Prof. Dr. Markus Linnemann (Universität Koblenz-Landau), Necle Bulut, Pia Cleas, Dr. Marion Krause-Wolters, Valerie Lemke & Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek (Universität zu Köln) Lese- und Schreibflüssigkeit in der Schule: Konzeption und Diagnostik

04.Juli 2017

Raum 18

Prof. Dr. Jens Möller

(Universität Kiel)

Evaluation der Staatlichen Europa-Schule Berlin

18. Juli 2017

Modulbau S180

Prof. Dr. Elke Wild & Daniela Stranghöner (Universität Bielefeld)

Entwicklung der Lese- und Rechtschreibkompetenz von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf

Lernen am Ende der Grundschule - auch eine Frage des (in- oder exklusiven) Fördersettings?

 

16. Mai 2017: Prof. Dr. Petra Hanke & Prof. Dr. Thorsten Pohl (Universität zu Köln)

"Erfassung des professionellen Wissens zum Schrifterwerb"

In der Forschung und Praxis zum Schriftspracherwerb in der Grundschule wird seit Jahrzehnten immer wieder die Frage nach der geeigneten Methode, die sich für das Lesen- und Schreibenlernen der Kinder als besonders wirksam erweist, thematisiert. Dass sich letztlich keine bedeutsamen Unterschiede in den Lese- und (Recht-)Schreibleistungen der Schüler/innen gegen Ende der Grundschulzeit vor dem Hintergrund der verschiedenen methodischen Zugangsweisen zeigen, gilt inzwischen als hinreichend empirisch belegt (vgl. die metaanalytische Bestandsaufnahme von Funke 2014). Befunde der neueren Lehrerforschung verweisen vielmehr auf die Bedeutung professioneller Lehrerkompetenz für die Unterrichtsqualität und Lernfortschritte der Schüler/innen (vgl. z.B. die Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV, Kunter u.a. 2011). In der COACTIV-Studie wurde insbesondere die Bedeutung des auf Fachwissen basierenden fachdidaktischen Wissens der Mathematiklehrkräfte für die Unterrichtsqualität und den Lernerfolg der Schüler/innen in Mathematik herausgestellt (Kunter u.a. 2011). Auf die Bedeutung des Fachwissens von Grundschullehrkräften im Bereich Orthographie für die Rechtschreibleistung schwächerer Schüler/innen verweisen inzwischen einzelne fachdidaktisch angelegte Untersuchungen (z.B. Hofmann 2008, Corvaco del Toro 2013). Bislang weitgehend unerforscht ist die professionelle Kompetenz, insbesondere das Fachwissen, das fachdidaktische Wissen sowie die Überzeugungen, von Grundschullehrkräften auf dem Gebiet des basalen Lesen- und Schreibenlernens im Zusammenhang mit der Unterrichtsqualität im schriftsprachlichen Anfangsunterricht und dem Erfolg von Schülerinnen und Schülern beim basalen Lesen- und Schreibenlernen. In einem interdisziplinären Forschungsverbund aus Vertreterinnen und Vertretern aus den Bereichen Fachdidaktik Deutsch (Becker-Mrotzek, Pohl), Pädagogik und Didaktik im Förderschwerpunkt Lernen (Schabmann), Entwicklungspsychologie (Träuble), Quantitative Methoden der empirischen Schulforschung (König, Strauß) und Schulforschung mit dem Schwerpunkt Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe (Hanke, Sprecherin der Arbeitsgruppe, Schmitt) wird vor dem skizzierten Hintergrund in einer Pilotstudie zunächst folgenden Fragestellungen nachgegangen:

1. Welche Aspekte gehören zum Fachwissen, zum fachdidaktischen Wissen sowie zu grundlegenden Überzeugungen von (angehenden) Grundschullehrkräften zum basalen Lesen- und Schreibenlernen, und wie lassen sich diese Aspekte legitimieren?

2. Wie können Fachwissen, fachdidaktisches Wissen und Überzeugungen von (angehenden) Grundschullehrkräften zum basalen Lesen- und Schreibenlernen gemessen werden?

3. Über welches fachliche und fachdidaktische Wissen zum basalen Lesen- und Schreibenlernen verfügen Studierende für das Lehramt Grundschule in der Bachelor- und Masterphase, d.h. vor und nach dem Praxissemester? Unterscheidet sich das Wissen zwischen den Studierenden in diesen unterschiedlichen Studienabschnitten?

Im Beitrag werden sowohl die Konzeptualisierung eines Instrumentes zur Erfassung des Professionswissens (Fachwissen, fachdidaktisches Wissen) und der Überzeugungen zum basalen Lesen- und Schreibenlernen vorgestellt sowie erste Ergebnisse aus der empirisch-quantitativ angelegten Befragungsstudie mit Studierenden im Bachelor- und Masterstudiengang für das Lehramt an Grundschulen an der Universität Köln berichtet.

Corvacho del Toro, I. (2013): Fachwissen von Grundschullehrkräften. Effekt auf die Rechtschreibleistung von Grundschülern. Dissertation Universität Bamberg. Bamberg

Funke, R. (2014): Erstunterricht nach der Methode Lesen durch Schreiben und Ergebnisse schriftsprachlichen Lernens - eine metaanalytische Bestandsaufnahme. In: Didaktik Deutsch Heft 36 (2014). S. 20-41

Hofmann, N. (2008): Unterrichtsexpertise und Rechtschreibleistungen. Eine empirische Untersuchung in Heidelberger Grundschulen. Dissertation, Heidelberg

Kunter, M.; Baumert, J.; Blum, W.; Klusmann, U.; Krauss, St.; Neubrand, M. (Hrsg.) (2011): Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV. Münster, New York, Berlin, München

 

30. Mai 2017: Prof. Dr. Elmar Souvignier (Universität Münster)

"Implementation diagnosebasierter, differenzierter Leseförderung in der Grundschule"

Leseförderung ist dann am wirkungsvollsten, wenn die angebotenen Maßnahmen einen engen Bezug zu den jeweiligen Lesefähigkeiten der Schülerinnen und Schüler aufweisen. Tatsächlich findet sich im Grundschulalter ein weites Spektrum an Leseleistungen, das die Bandbreite vom (mühsamen) Erlesen einzelner Wörter bis zum Lesen umfangreicher Texte umfasst. Eine angemessene Diagnostik stellt eine Grundlage dafür dar, passgenaue Förderangebote machen zu können. Sinnvoll erscheint darüber hinaus, Unterrichtsangebote bzw. Fördermaßnahmen auf der Basis solcher diagnostischen Informationen gemeinsam mit den Kindern verbindlich zu besprechen. Anhand wiederholter Diagnostik sollte zudem geprüft werden, ob die eingesetzten Fördermaßnahmen sich als hilfreich erweisen oder ob eine Anpassung der Förderangebote sinnvoll erscheint. Zur Förderung selbst haben sich Lesemethoden wie eine silbenbasierte Förderung, Lautlese-Methoden oder strategieorientierte Verfahren bewährt.

In den vergangenen Jahren wurden in unserer Arbeitseinheit zu den angesprochenen Aspekten mehrere Maßnahmen entwickelt, die im Hinblick auf ihre Praktikabilität und ihre Wirksamkeit evaluiert wurden. Konkret wurden ein Verfahren zur Lernverlaufsdiagnostik (internetbasierte Durchführung von Lesetests im dreiwöchigen Abstand), Vorlagen für Feedbackgespräche und Materialien zur differenzierten Leseförderung entwickelt und erprobt. In dem Beitrag wird dieses Konzept einer diagnosebasierten, differenzierten Leseförderung vorgestellt, es werden Evaluationsbefunde präsentiert und es wird auf Erfahrungen bei der Implementation dieses Konzepts eingegangen.

 

20. Juni 2017: Dr. Sabine Stephany (Universität zu Köln), Jun. Prof. Dr. Markus Linnemann (Universität Koblenz-Landau), Necle Bulut, Pia Cleas, Dr. MArion Krause-Wolters, Valerie Lemke & Prof. Dr. Michael Bekcer-Mrotzek (Universität zu Köln)

"Lese- und Schreibflüssigkeit in der Schule: Konzeption und Diagnostik"

Bildungssprachliche Texte verstehen und schreiben zu können, gehört zu den Schlüsselquali-fikationen in einer Informationsgesellschaft. Eine wesentliche Voraussetzung für eine entwi-ckelte Lese- und Schreibfähigkeit ist das mühelose Beherrschen der hierarchieniedrigen Fer-tigkeiten: Nur wer Texte flüssig lesen und schreiben kann, hat genügend kognitive Kapazitä-ten für anspruchsvolle Aufgaben wie das Verstehen oder Planen von Texten frei.

Hierarchieniedrige Fertigkeiten werden jedoch nicht von allen Schülerinnen und Schülern in ausreichendem Maße beherrscht, so dass sie viele alltägliche Aufgaben im Unterricht aller Fächer nicht selbständig bewältigen können. Um dies zu ändern, bedarf es einer angemesse-nen Diagnostik und Förderung von Lese- und Schreibflüssigkeit.

Im Vortrag wird zunächst die im BMBF-Forschungsprojekt Lese- und Schreibflüssigkeit –Konzeption, Diagnostik, Förderung“ entwickelte Konzeption von Lese- und Schreibflüssigkeit vorgestellt. Die hierauf beruhenden Diagnoseinstrumente wurden zusammen mit Instrumen-ten zur Erfassung des Leseverstehens und der Schreibkompetenz sowie weiteren Variablen wie Wortschatz, Motorik und Orthografie bei etwa 160 Schülerinnen und Schüler der 4., 6. und 9. Klasse mit Deutsch als Erst- und Zweitsprache eingesetzt. Im Vortrag werden Ergeb-nisse zu den Zusammenhängen dieser Variablen dargestellt sowie ein Ausblick auf mögliche Fördermaßnahmen zur Stärkung der Lese- und Schreibflüssigkeit gegeben.

 

04. Juli 2017: Prof. Dr. Jens Möller (Universität Kiel)

"Evaluation der Staatlichen Europa-Schule Berlin"

Bilinguale Beschulung in der dualen Immersion ab der ersten Klasse bis zum Schulabschluss ist die Grundlage der Staatlichen Europa-Schule in Berlin (SESB). Zentrales Ziel ist neben dem additiven Bilingualismus der Ausgleich von Bildungsnachteilen von Zuwandererkindern. Der Unterricht wird in Deutsch und jeweils einer von neun Partnersprachen erteilt. Mit der wissenschaftlichen Evaluation in den Jahrgangsstufen vier, sechs und neunsollen die kognitiven, motivationalen und soziokulturellen Effekte der an der SESB eingeführten Form der bilingualen Beschulung ermittelt werden.

Die Ergebnisse von Regressionsanalysen zeigen, dass die Leistungen der SESB-SuS im deutschen Leseverständnis auch nach Kontrolle der Hintergrundvariablen weitgehend auf dem Niveau von herkömmlich unterrichteten Kindern liegen.  Die Leseleistungen in der Partnersprache entsprechen am Ende der vierten Jahrgangsstufe noch nicht denen der der Schulkinder aus den Ländern mit der Partnersprache als Verkehrssprache, dennoch erreichen zwei Drittel zumindest ein Grundlagenniveau. Dabei unterscheiden sich die im Mittel erreichten Leistungen zwischen den verschiedenen Sprachkombinationen der SESB.

 

18. Juli 2017: Prof. Dr. Elke Wild & Daniela Stranghöner (Universität Bielefeld)

"Entwicklung der Lese- und Rechtschreibkompetenz von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Lernen am Ende der Grundschule - auch eine Frage des (in- oder exklusiven) Fördersettings?"

Im Zentrum der öffentlichen Debatte zum Thema Inklusion steht - nach wie vor und teils verstärkt - die Frage, ob für die schulische Leistungsentwicklung von Schülerinnen und Schülern (SuS) mit sonderpädagogischem Förderbedarf (spF) eine "inklusive" Beschulung oder eine (separate) Unterrichtung in Förderschulen vorteilhafter ist. Sie wurde in dem interdisziplinär und längsschnittlich angelegten, vom BMBF finanzierten BiLieF-Projekt (vgl. www.uni-bielefeld.de/inklusion/) aufgegriffen, um zu theoretisch und empirisch fundierten Antworten zu gelangen.

Die 2012/2013 gewonnene Ausgangsstichprobe umfasste N=421 DrittklässerInnen mit spF-Lernen, von denen N=183 eine Förderschule, N=181 eine Grundschule mit gemeinsamen Unterricht (GU) und N=57 eine Grundschule besuchten, die mit einem Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung kooperierte (KsF).  Die Lese- und Rechtschreibkompetenz der teilnehmenden SuS wurde zu drei Messzeitpunkten (Anfang und Ende der 3. Klasse sowie am Ende der 4. Klasse) mithilfe standardisierter Testverfahren (HSP 1-9; May, 2012; ELFE 1-6; Lenhard & Schneider, 2006) erfasst.  Zudem kamen weitere (z.T. auch Eltern, Lehrkräften und Schulleitungen vorgelegte) Erhebungsinstrumente zum Einsatz, um beim Binnenvergleich relevante Hintergrundvariablen (z.B. Schicht, kognitive Grundfähigkeit) kontrollieren und weitere, gerade auch im Kontext von Inklusion wichtige Zielkriterien schulischer Bildung in den Blick nehmen sowie nähere Aufschlüsse über die Bedeutung proximaler Bedingungen (im Kontext von Schule und Familie) gewinnen zu können.

Grob zusammengefasst stützen die Befunde die Annahme, dass in den drei Fördersettings zwar erwartungsgemäß SuS mit durchschnittlich differierenden Eingangskompetenzen anzutreffen sind, die Kompetenzentwicklung aber nicht oder nur marginal in Abhängigkeit vom formalen Fördersetting variiert und es statt dessen vorrangig auf die Qualität der pädagogischen (Zusammen-) Arbeit in der einzelnen Schule ankommt.

Im Rahmen des Vortrags werden diese und weitergehende Erkenntnisse aus der in BiLieF verfolgten, qualitativen Auswertung von Gruppeninterviews mit systematisch ausgewählten Schulkollegien vorgestellt und in ihren Implikationen für die Lehreraus- und -fortbildung sowie die zukünftige Forschung diskutiert. Dabei wird auch die Zunahme von Kategorisierungen im Bereich Sprache (und ESE) thematisiert, die auf systemisch erzeugte (Um )Etikettierungsprozesse hindeutet.

Wild, E., Lütje, B., Schwinger, M., Gorges, J. & Neumann, P.  (2017): BiLieF - Bielefelder Längsschnittstudie zum Lernen in inklusiven und exklusiven Förderarrangements. Version: 1. IQB – Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Datensatz. doi.org/10.5159/IQB_BiLieF_v1