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Sprachdidaktisches Kolloquium

Sommersemester 2019


Das Sprachdidaktische Kolloquium wird gemeinsam vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln und dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ausgerichtet.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 18.00 Uhr (wir beginnen pünktlich) bis 19.30 Uhr im Raum S 251 in der Classen-Kappelmann-Straße 24 statt (Einzelne Termine können auch in einem anderen Raum stattfinden. Beachten Sie bitte auch immer die aktuellen Informationen auf den Plakaten und in den Rundmails des Verteilers).

Zu den Veranstaltungen laden wir ausdrücklich auch unsere Studierenden ein.

Gäste sind herzlich willkommen.

Das Sprachdidaktische Kolloquium verfügt über einen E-Mail-Verteiler, über welchen regelmäßig Einladungen zu den entsprechenden Terminen, sowie die Abstracts oder gegebenenfalls kurzfristige Änderungen bekannt gegeben werden. Um sich in diesen Verteiler einzufügen, um ebenfalls per E-Mail informiert zu werden, tragen Sie sich bitte hier in den Verteiler ein.

Abstracts

23.04.2019: Peter Eisenberg (Potsdam)

"Gendern im Wandel"


Der Genderdiskurs wird härter und im Ton schärfer. Auch wo die Positionen gar nicht weit auseinander liegen, entstehen Texte, die aus verschiedenen Welten zu stammen scheinen. Mit ‚Gendern im Wandel’ soll versucht werden, diesem Trend zu entgehen, ohne dass man sich in der Sache etwas schenkt. Im Mittelpunkt stehen sprachliche Mittel des Standarddeutschen, mit denen einerseits die Sichtbarkeit von Frauen in der Sprache verbessert werden kann. Andererseits werden sprachliche und darüber hinausgehende Techniken besprochen, mit denen jeder Verweis auf das natürliche und stellvertretend das grammatische Geschlecht vermieden werden soll. Welche Schwierigkeiten dabei auftreten, wird am Beispiel des Urteils des BVerfG zum dritten Geschlecht vom Herbst 2017 und des Erlasses der Stadt Hannover zur Einführung einer geschlechtergerechten Verwaltungssprache vom Frühjahr 2019 besprochen.

 

30.04.2019: Helga Kotthoff (Freiburg)

"Geschlechterverhältnisse und Humor im Alltag und in den Medien"

Sowohl im Alltag als auch in den Medien haben Frauen in den letzten Jahrzehnten ein größeres humoristisches Verhaltensspektrum erworben.
Internationale Studien zeigen, dass beispielsweise in der Arbeitswelt Frauen sich auf allen Stufen der Hierarchie auch mit Witz und Scherz einbringen, was vor 50 Jahren noch ganz anders aussah. Auch im Fernsehen ist eine große Bandbreite an Kabarett und Comedy entstanden, die mit Genderzuordnungen spielen und diese unterlaufen. Dazu gehört dezidiert feministische Comedy (etwa von Gerburg Jahnke), aber auch die Parodien weiblicher Typen von Anke Engelke oder die witzigen Herausforderungen von Hazel Brugger oder Carolin Kebekus. Mario Barth scheint sich hingegen an Geschlechterklischees zu erfreuen. Unter Rückgriff auf Redestilistik und Diskursanalyse gehe ich sowohl alltäglichen Verhaltensweisen nach als auch einigen Medienformaten des Komischen.

 

21.05.2019: Constanze Spieß (Graz)

"Weiblicher Führungsstil und ganze Kerle - Zur diskursiven Konstruktion von Geschlechtsidentitäten. Ein Überblick über Theorien, Methoden und Gegenstände genderlinguistischer Forschung"

Die Genderlinguistik ist ein relativ junger Forschungsteilbereich innerhalb der soziopragmatisch ausgerichteten Linguistik. Dieser Forschungsbereich erfuhr seine Legitimation aus der zweiten Phase der feministischen Bewegung der 1970er Jahre; sein Entstehen und seine Entwicklung müssen aber im Zusammenhang mit der Entwicklung der Frauenbewegungen des 19. Jahrhunderts gesehen werden. Ausgehend von einem kurzen Überblick über zentrale Momente der Frauenbewegung(en) seit dem 19. Jahrhundert wird der Vortrag auf die Entwicklung der Genderlinguistik von ihren Anfängen im deutschsprachigen Raum bis heute eingehen, Theorien (u.a. doing gender, undoing gender, performing gender) und Methoden (u.a. gesprächslinguistische, diskurslinguistische und diskurssemantische) vorstellen und an ausgewählten Beispielen alltäglicher Genderkonstruktionen in verschiedenen Handlungs- und Kommunikationsbereichen zeigen, welche Rolle der Sprache bei der Konstruktion von Geschlechtsidentitäten zukommt und welche sprachlichen Ebenen dabei involviert sind. Es wird gezeigt werden, in welchem Zusammenhang die einzelnen sprachstrukturellen Ebenen stehen und welche Rolle multimodale Aspekte bei der diskursiven Konstruktion und Sedimentierung von Geschlechtskonstruktionen spielen. Abschließend wird auch auf didaktische Implikationen eingegangen.

 

04.06.2019: Monique Honegger (Zürich)

"Heteronormativität in der Lehramtsausbildung - Suche nach Fragen und Rahmen für eine andere Diskurspraxis. Projekt Norma"

Im Fokus dieses Beitrags stehen Hochschullehrende, d.h. primär organisationale und hochschuldidaktische Aspekte. An der PH Zürich sucht das Projekt Norma seit fünf Jahren eine „andere Diskurspraxis“ zu Heteronormativität. Der Anschaulichkeit halber einige Titel und Fragen der Veranstaltungen innerhalb des Projekts: „Wie viele Männer dürfen Lehrer küssen?“, „Wie gehen Hochschule und Schule mit trans* um?“„Sex-Welten an Schule und Hochschule“. Interdisziplinär, praxisnah und extracurricular thematisiert Projekt Norma Heteronormativität und Geschlechterdifferenzen. Es adressiert sich an Mitarbeitende und Studierende der Hochschule, Bildungsexpert*innen sowie Lehrpersonen.

In der aktuellen Hochschullehre erschöpft sich der Diskurs mitunter in –  von (angehenden) Lehrpersonen erwünschten –  Rezepten: etwa Hinweise zu legalen Rahmen sowie praktikablen (Sprach-)Praxen im Umgang mit LBGTQ, zu Geschlechteridentitäten oder Beschreibungen nicht heteronormativ orientierter „Familien“-Gefüge.

Der Vortrag stellt am Projekt Norma sowie an einer Lehrveranstaltung der Deutschdidaktik („Geschlecht und Sprache“) dar, wie sich Fragen und Antworten, Reflektieren und epistemisches Lernen über Heteronormativität und Geschlechterdifferenz gestalten. Welche Lernangebote gibt es? Wie funktioniert hier (epistemisches) Lernen Dozierender und Studierender?

Mit theoretischer Verankerung wird diskutiert, welche spezifischen Knackpunkte und möglichen Tür-Öffnerinnen bestehen, wenn Dozierende mit (angehenden) Lehrpersonen zu Geschlechtern, Körpern sowie Identitäten denken und reflektieren.

 

02.07.2019: Christine Ott (Würzburg)

"Prinzessinnen vs. Abenteurer? Geschlechterkonzepte in Bildungsmedien (nicht nur) für den Deutschunterricht"

Nicht zuletzt im Kontext der Inklusionsdebatte wird fachintern wie auch öffentlich diskutiert, wie Unterricht geschlechtersensibel gestaltet werden kann. Die Diskussion umfasst dabei auch Bildungsmedien, darunter die in Bildungsmedien etablierten und tradierten Geschlechtervorstellungen.

Der Vortrag stellt einen Ausschnitt dieser Diskussion vor. Ausgangspunkt sind die Diskurskontexte Gendermarketing in Bezug auf Bildungsmedien, Gendermainstreaming im Bildungssystem sowie Genderkompetenz im Fach Deutsch. Es folgen methodologische Anmerkungen, wie sprachlich vermittelte Geschlechterkonzepte diskurs- und genderlinguistisch untersucht werden können. Konkrete Schritte der sprachlichen Analyse von Schulbuchtexten werden vorgestellt ebenso wie zentrale Ergebnisse einer solchermaßen durchgeführten diachronen Schulbuchstudie.