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Sprachdidaktisches Kolloquium

Sommersemester 2020


Das Sprachdidaktische Kolloquium wird gemeinsam vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur II der Universität zu Köln und dem Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache ausgerichtet.

Die Veranstaltungen finden jeweils von 18.00 Uhr (wir beginnen pünktlich) bis 19.30 Uhr im Raum S 251 in der Classen-Kappelmann-Straße 24 statt (Einzelne Termine können auch in einem anderen Raum stattfinden. Beachten Sie bitte auch immer die aktuellen Informationen auf den Plakaten und in den Rundmails des Verteilers).

Zu den Veranstaltungen laden wir ausdrücklich auch unsere Studierenden ein.

Gäste sind herzlich willkommen.

Das Sprachdidaktische Kolloquium verfügt über einen E-Mail-Verteiler, über welchen regelmäßig Einladungen zu den entsprechenden Terminen, sowie die Abstracts oder gegebenenfalls kurzfristige Änderungen bekannt gegeben werden. Um sich in diesen Verteiler einzufügen, um ebenfalls per E-Mail informiert zu werden, tragen Sie sich bitte hier in den Verteiler ein.

 

AKTUELLER HINWEIS:

Im Sommersester 2020 findet das Sprachdidaktische Kolloquium aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung NICHT statt. Die geplanten Vorträge sollen soweit wie möglich auf das Wintersemester 20/21 verschoben werden. Entsprechende Informationen dazu werden im Laufe der nächsten Wochen über den E-Mail-Verteiler bekannt gegeben. 

Wir bitte um Ihr Verständnis und wünschen gute Gesundheit und Durchhaltevermögen. 

 

Abstracts

21.04.2020: Maik Philipp (Pädagogische Hochschule Zürich)

„Lesen 4.0 – Multiple, digitale Dokumente verstehen – am Beispiel ‚Fake News‘“

Die alte Kulturtechnik Lesen erlebt Transformationen, seitdem das Lesen in Fläche auch digital, multimodal und auf der Basis multipler Dokumente erfolgt. Die vielleicht eklatanteste Transformation zeigt sich am Beispiel von „Fake News“, die erst mit den für das Lesen multipler (digitaler) Dokumente typischen Prozessen der intertextuellen Integration und des Sourcings entlarvbar werden. Der Vortrag geht auf diese Prozesse ein und betrachtet auch die lesedidaktischen Implikationen genauer.

 

 

05.05.2020: Susanne Riegler1, Maja Wiprächtiger-Geppert2 & Dorothea Kusche1 (1Universität Leipzig, 2Fachhochschule Nordwestschweiz)

„Wie Primarlehrpersonen Rechtschreiben unterrichten. Zur Praxis des Rechtschreibunterrichts in Deutschland und der Schweiz“

Wenn der Ruf nach „Innovationen“ im Rechtschreibunterricht nicht wirkungslos in der Unterrichtsrealität verpuffen soll, müssen Innovationen anschlussfähig an die Überzeugungen und Unterrichtskonzepte der Lehrpersonen sein (vgl. z. B. Lessing-Sattari/Wieser 2018, 43). Über diese Unterrichtskonzepte ist bisher nur wenig bekannt. Die vorhandenen Befunde basieren überwiegend auf Lehrerbefragungen und deuten auf einen „lehrerzentrierten, belehrenden Unterricht, der ausgerichtet ist an fertigen, im Handel erhältlichen Materialien“ (Valtin et al. 2003, 257). Videostudien zum Rechtschreibunterricht, die eine fachdidaktisch differenzierte Beschreibung der unterrichtlichen Praxis erlaubten, liegen bislang nicht vor.

Das SNF-/DFG-geförderte Forschungsprojekt „Professionelle Kompetenzen und Unterrichtshandeln von Primarlehrpersonen im Lernbereich Rechtschreiben“ (Profess-R) hat es sich u. a. zur Aufgabe gemacht, eine solche Deskription des faktisch stattfindenden Rechtschreibunterrichts zu leisten. Zu diesem Zweck haben wir in insgesamt 44 dritten bis sechsten Klassen Rechtschreibunterricht videografiert. Um die Vergleichbarkeit der Videodaten zu erhöhen, wurde für die videografierten Einheiten ein gemeinsamer thematischer Fokus gesetzt: Sämtliche Lektionen haben die Doppelkonsonantenschreibung zum Gegenstand.

Im Vortrag soll auf der Basis dieser Videodaten gezeigt werden, wie Rechtschreibunterricht in der Primarstufe in Deutschland und der Schweiz gestaltet wird. Wir unterscheiden dabei zwischen einer „Basiskodierung“, die auf die Oberflächenmerkmale des Unterrichts (z. B. Sozialformen) zielt, und einer Analyse der „Sachstruktur“. Während erstere weitgehend fachunabhängig die methodische Gestaltung in den Blick nimmt, fokussiert die Sachstruktur die von den Lehrpersonen verwendeten linguistischen Konzepte der Doppelkonsonantenschreibung und den fachdidaktischen Zugang, der dem Handeln der Lehrpersonen zugrunde liegt (vgl. Riegler/Wiprächtiger 2018; Riegler/Wiprächtiger-Geppert/Schmidt 2019). Im Vortrag werden wir darstellen, wie die jeweiligen Merkmale konzeptualisiert, operationalisiert und mithilfe von Kodier- und Ratingverfahren analysiert wurden, und auf dieser Grundlage die Ergebnisse unserer Analysen vorstellen und diskutieren. Dabei wird vor allem die Beschreibung der von uns identifizierten Unterrichtsmuster eine zentrale Rolle spielen.

Literatur: 

Lessing-Sattari, Marie/Wieser, Dorothee (2018): Lehrkräfte. Systematisierung aktueller empirischer Studien, ihrer Gegenstandsbereiche und Forschungsansätze. In: Boelmann, Jan (Hg.): Empirische Forschung in der Deutschdidaktik, Bd. 3. Baltmannsweiler: Schneider, S. 41-55.

Riegler, Susanne/Wiprächtiger-Geppert (2018): Den Unterricht im Blick. Deskription der Praxis als Aufgabe und Herausforderung für die orthographiedidaktische Unterrichtsforschung. In: Riegler, Susanne/Weinhold, Swantje (Hg.): Rechtschreiben unterrichten. Lehrerforschung in der Orthographiedidaktik. Berlin: Erich Schmidt, S. 69-89.

Riegler, Susanne/Wiprächtiger-Geppert, Maja/Schmidt, Romina (2019): Wie Primarlehrpersonen Unterricht zur Doppelkonsonantenschreibung gestalten. Zur (videobasierten) Analyse der Sachstruktur von Rechtschreibunterricht. In: Leseforum Schweiz Nr. 2019/3. Online unter: https:// www.leseforum.ch/

Valtin, Renate/Löffler, Ilona/Meyer-Schepers, Ursula/Badel, Isolde (2004): Orthographische Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der vierten Klasse im Vergleich der Länder. In: Bos, Wilfried et al. (Hg.): IGLU. Einige Länder der Bundesrepublik Deutschland im nationalen und internationalen Vergleich. Münster: Waxmann, S. 141-164.

 

 

19.05.2020: Petra Hanke, Johannes König, Thorsten Pohl, Chantal Bruckmann, Nina Glutsch & Tina Waschewski (Universität zu Köln)

„Professionelles Wissen von Lehrkräften, Unterrichtsqualität und Lernfortschritte von Schüler*innen im basalen Lese- und Schreibunterricht (WibaLeS). Zur Erforschung der Unterrichtsqualität im basalen Lese- und Schreibunterricht“

In der Forschung und Praxis zum Schrifterwerb wird seit Jahrzehnten wiederkehrend die Frage nach der geeigneten Vermittlungsmethode (z. B. der Fibel-Lehrgang) thematisiert, die sich für das Lesen- und Schreibenlernen von Kindern als besonders wirksam erweist. Im WibaLeS-Projekt soll untersucht werden, inwieweit nicht die Vermittlungsmethode, sondern die Unterrichtsqualität und ihre fachspezifische Ausprägung sowie das fachspezifische professionelle Lehrer*innenwissen die Lernfortschritte der Kinder im basalen Lese- und Schreibunterricht bedingen. Hierzu wird an die Forschung zu den drei Basisdimensionen der Unterrichtsqualität angeschlossen: Klassenführung, Schülerorientierung, kognitive Aktivierung (u. a.: BMBF 2001; Kunter & Voss 2011). Die Basisdimensionen wurden bisher nur in einzelnen Aspekten für den Deutschunterricht adaptiert (vgl. z. B. Stahns 2013; Lotz 2016; Hanisch 2018). Speziell für die Erforschung der Unterrichtsqualität im basalen Lese- und Schreibunterricht fehlen bisher geeignete Instrumente zu ihrer Erfassung, wozu sie hinsichtlich der Dimensionen der kognitiven Aktivierung und konstruktiven Unterstützung fachlich ausdifferenziert werden müssen. Im Vortrag werden im Projektkontext entwickelte Instrumente detailliert vorgestellt und diskutiert, inwieweit sie den skizzierten Anforderungen gerecht werden. Als besondere methodische Herausforderung erweist sich dabei die Entwicklung eines Beobachtungsinstruments, mit dem in vivo gezielte Beobachtungen direkt im Klassenraum vorgenommen werden sollen.

Literatur:

BMBF (Hrsg.) (2001): TIMSS – Impulse für Schule und Unterricht. Forschungsbefunde, Reforminitiative, Praxisberichte und Video-Dokumentation. Bonn: Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Hanisch, A. (2018): Kognitive Aktivierung im Rechtschreibunterricht. Eine Interventionsstudie in der Grundschule. Münster, New York: Waxmann.

Kunter, M. & Voss, T. (2011): Das Modell der Unterrichtsqualität in COACTIV: Eine multikriteriale Analyse. In: Kunter, M.; Baumert, J.; Blum, W.; Klusmann, U.; Krauss, S. & Neubrand, M. (Hrsg.): Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV. Münster: Waxmann. S. 85-113.

Lotz, M. (2016): Kognitive Aktivierung im Leseunterricht der Grundschule: Eine Videostudie zur Gestaltung und Qualität von Leseübungen im ersten Schuljahr. Wiesbaden: Springer VS.

Stahns, R. (2013): Kognitive Aktivierung im Grammatikunterricht. Videoanalysen zum Deutschunterricht. Baltmannsweiler: Schneider Verl. Hohengehren.

 

 

16.06.2020: Catherine Snow (Harvard Educational School)

„How Oral Discussion Supports Literacy Development”

Most literacy instruction focuses on helping learners access the text -- whether by teaching how sequences of letters indicate sounds, or by teaching text structures and comprehension strategies for longer, connected texts.  Our recent work challenges this text-centric view of how to teach literacy.  We show that participation in oral discussion is a crucial contributor to literacy skills.  This contribution is explained, we argue, by various mechanisms:  first, well managed classroom discussion motivates the effort needed for deep comprehension; second, discussion exposes learners to the academic language they will need for comprehending many advanced texts; and third, oral discussion offers practice in perspective-taking, which is needed to understand literature and history in particular. 

 

 

07.07.2020: Michael Becker-Mrotzek (Universität zu Köln)

„PISA 2018: Konstrukt – Testung – Resultate“

Bei PISA 2018 war Lesen nach PISA 2000 und PISA 2009 zum dritten Mal die Haupttestdomäne, d.h. hierfür stand die meiste Testzeit zur Verfügung. Seit der ersten PISA-Studie im Jahre 2000 haben sich die Rahmenbedingungen für das Lesen erheblich verändert. Lesen findet zunehmend in und mit digitalen Medien statt. Das hat bei PISA 2018 in doppelter Hinsicht Niederschlag gefunden: Zum einen wurde erstmals auch in Deutschland der gesamte Test computerbasiert durchgeführt, d.h. die Schülerinnen und Schüler haben alle Aufgaben an einem PC bearbeitet. Und zum anderen wurde das Konstrukt Lesekompetenz angepasst, um die neuen Leseformate berücksichtigen zu können – bei Beibehaltung bestehender Formate, um Trendaussagen machen zu können. Beispielaufgaben sollen hier vorgestellt werden.

Die Ergebnisse für Deutschland sind ambivalent: Auf der einen Seite ist die durchschnittliche Lesekompetenz weitgehend stabil geblieben, so das Deutschland auch 2018 über dem internationalen Durchschnitt lag. Allerdings – und das ist die andere Seite – ist die Streuung der Leistung mit 106 Punkte überdurchschnittlich groß. Vor allem der Anteil der Schülerinnen und Schüler auf oder unter der Kompetenzstufe I ist mit 21 Prozent erschreckend hoch. In den nicht-gymnasialen Schulformen liegt dieser Anteil sogar bei 29%. Gleichzeitig ist das Strategiewissen überdurchschnittlich, die Lesefreude jedoch unterdurchschnittlich ausgeprägt. Was bedeuten diese Ergebnisse für die Sprach- und Literaturdidaktik?